Leitungswasserschaden oder Schaden durch Planschen?

versicherung lupeIn der Wohngebäudeversicherung und dort speziell in der Absicherung von Leitungswasserschäden, ist ein interessantes Urteil durch das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein gesprochen worden, das die Versicherungsgesellschaft in die Pflicht nimmt. Es war zu entscheiden, ob es sich bei einem Schaden hinter einer Badewanne, um einen nicht versicherten Plansch- und Spritzwasserschaden handelt oder um einen versicherten Leitungswasserschaden. Verschärfend kam hinzu, dass sich gleichzeitig ein so oder so nicht versicherter Schwamm in den Wänden gebildet hatte.

Das Versicherungsjournal schreibt hierzu am 13.09.2016 folgendes:

Für die Frage des Versicherungsschutzes sei es nicht von Belang, ob das Wasser durch die verschlissene Silikonfuge zwischen dem Badewannenrand und der Fliesenunterkante in die Wand eingedrungen oder durch die möglicherweise schon recht alten Fliesen in die Wand gelangt ist.

Denn bei einer Badewanne handele es sich ebenso wie bei einer Dusche um eine mit dem Rohrsystem verbundene Einrichtung, die in den Versicherungsschutz einer Gebäudeleitungswasser-Versicherung einbezogen sei.

Von den Erwartungen eines Versicherten

Ein durchschnittlicher Versicherter könne nämlich davon ausgehen, dass die Versicherung vor allen Gefahren schützen will, die für sein Haus dadurch geschaffen werden, dass in diesem für die täglichen Bedürfnisse Wasser benutzt wird. Dies gelte für Wasser, das in Zuleitungen einer Verbrauchsstelle zugeführt und in Ableitungen von dort wieder weggeführt wird.

„Er wird daher erwarten, dass das gesamte technische Standard-System, in dem sich planmäßig und geordneterweise die Benutzung von Wasser in seinem Haus zuträgt, gegen Schäden geschützt wird, die nässebedingt in der Umgebung dieser Nutzungsstellen auftreten können und auftreten“, so das Gericht.

In den Versicherungsschutz einbezogen seien daher nicht nur die Zu- und Ableitungsrohre selbst, sondern die Gesamtheit einer Dusche mit Kabine beziehungsweise einer Badewanne mit gefliesten Wänden. Denn diese seien als eine mit den Zu- beziehungsweise Ableitungsrohren der Wasserversorgung verbundene Einrichtung im Sinne der Versicherungsbedingungen zu verstehen.

Entwertung durch die Hintertür

Dem Einwand des Versicherers, dass es sich um einen nicht versicherten Schwammschaden gehandelt habe, wollten sich die Richter ebenfalls nicht anschließen. Denn allein der Umstand, dass sich aufgrund der länger anhaltenden Durchfeuchtung hier und da auch Schwamm gebildet hatte, könne den Ausschluss schlechterdings nicht rechtfertigen.

„Wäre es so, dass schon jedes Auftreten von Schwamm die Eintrittspflicht des Versicherers ausschließen könnte, würde der Versicherungsschutz gegen Leitungswasserschäden in nicht hinzunehmender Weise gleichsam durch die Hintertür entwertet“, heißt es dazu abschließend in der Urteilsbegründung.

Das Gericht sah keine Veranlassung, eine Revision zum Bundesgerichtshof zuzulassen.

http://www.versicherungsjournal.de/versicherungen-und-finanzen/streit-mit-dem-gebaeudeversicherer-um-wasserschaden-126790.php?vc=newsletter&vk=126790

Von | 2017-11-14T11:32:03+00:00 September 13th, 2016|News|

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